Eine Weihnachtsgeschichte...
Vom Traum,
ein Weihnachtsbaum zu sein
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von
Gerhard Zeeb
Es war grimmig kalt an diesem Dezembermorgen. In der Nacht zuvor war etwas Schnee gefallen und der Wald hatte nunmehr sein schönstes winterliches Schneegewand übergestreift. Die aufgehende Sonne ließ die Eiskristalle wie Perlen glitzern. In kleinen und großen Gruppen standen die Weißtannen und Rotfichten zusammen und tuschelten ganz aufgeregt. Wussten sie doch seit einigen Tagen, dass die Adventszeit begonnen hatte und Heilig Abend immer näher rückte.
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„Ich kann es kaum mehr erwarten“, sagte Tanni, die stolze und schöne Weißtanne zu ihren umstehenden Artgenossen.
„Ich möchte toll geschmückt in einer großen Villa stehen, bei offenem Kaminfeuer und festlich gedeckter Tafel“ und die makellos schlank gewachsenen, stolzen Weißtannen nickten zustimmend, wobei sich etwas Schnee von den Zweigen löste und in feinen Schwaden zu Boden sank.
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Dabei sahen sie etwas herablassend zu den Rotfichten hinüber, die noch dichter gedrängt standen. Auch die Rotfichten waren von freudiger Erregung gepackt und blickten ständig den Forstweg hinunter: Wann würde endlich jemand kommen und sie abholen?
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Auch Fichti, die kleinste und schmächtigste der Rotfichten, war ganz aufgeregt. Aber dann sah sie von ihrem Platz am Wegrand als erste den Traktor den steilen Weganstieg hochtuckern, einen Anhänger hinter sich herziehend. „Sie kommen, sie kommen“, jubelte Fichti erfreut und schwieg dann aber sofort als sie bemerkte, dass ihr die Weißtannen böse Blicke zuwarfen.
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Alle Tannen und Fichten streckten und reckten sich und stellten sich in Positur, als sie sahen, dass das Gefährt anhielt und der Förster und sein Gehilfe ausstieg. Galt es doch, einen möglichst guten Eindruck zu machen, um nicht noch ein weiteres Jahr warten zu müssen, bis man Weihnachtsbaum sein würde.
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Bald darauf ratterten die Motorsägen. Die Weißtannen, die um ihre Begehrlichkeit aufgrund ihrer Schönheit wussten, machten den Anfang.
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„Juchhee!“, jubelte Tanni, als sie merkte, dass man sie mit einem kurzen Schnitt vom Boden gelöst hatte und sie sich von starker Hand gepackt auf dem Anhänger wiederfand.
„Ich habe es geschafft – ich werde Weihnachtsbaum!“, rief sie stolz. Und die übrigen Weißtannen auf dem Wagen nickten freudig zustimmend.
Bei den Rotfichten machte sich wachsende Ungeduld bemerkbar und Fichti schluckte tapfer einige Tränen hinunter, als sie hörte, wie die Weißtannen auf dem Anhänger in Jubelgesänge ausbrachen. Aber dann bemerkte sie erleichtert, dass sich der Förster und sein Gehilfe den Rotfichten zuwendeten.
„Rrrrrrrt“, knatterte die Motorsäge und eine Rotfichte nach der anderen wanderte auch auf den Wagen. Etwas ungeduldig werdend, stellte Fichti fest, dass weder der Förster noch sein Gehilfe sie beachteten. „Bitte, nehmt mich auch mit“, schluchzte sie innerlich, „ich möchte doch auch so gerne ein Weihnachtsbaum sein.“ Jetzt konnte Fichti ihre Tränen nicht mehr zurück halten.
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Schon hatte sich Fichti ganz verzweifelt damit abgefunden, ein weiteres Jahr warten zu müssen. Dann aber bemerkte sie, dass der Förstergehilfe auf sie zukam und sie prüfend ansah.
„Ich schaff´ es doch noch“, hoffte Fichti mächtig erleichtert, als sie die Säge spürte. Aber dann wandelte sich die Erleichterung in jähes Entsetzen um: „Dieses mickrige Gewächs ist nicht verkäuflich und behindert das Wachstum der anderen Fichten“, hörte Fichti den Gehilfen brummeln. Und dann schloss sie die Augen, als sie sich in hohem Bogen durch die Luft geschleudert fühlte und sich am Wegrand wiederfand. Sie kam sich jetzt so einsam und verloren vor.
„Geschieht ihr recht“ höhnten die Weißtannen vom Wagen und auch ihre Rotfichtenfreundinnen würdigten sie keines Blickes mehr. In Tränen aufgelöst nahm Fichti gar nicht mehr wahr, wie der Traktor mit den jubelnden Weihnachtsbäumen auf dem Anhänger langsam davonfuhr.
„Ich bin zu hässlich“, schluchzte Fichti. „Keiner will mich und nie werde ich ein Weihnachtsbaum sein.“ Die Tränen rannen jetzt unaufhaltsam das etwas schief geratene Stämmchen und die einseitig gewachsenen Zweige hinunter.
Bis in die Nadelspitzen war Fichti, die kleine Rotfichte, von großer Traurigkeit erfüllt.
Sie schloss die Augen und hörte daher die helle Kinderstimme zunächst gar nicht. Sie nahm auch nicht richtig wahr, dass ein Ehepaar mit einem kleinen Mädchen auf dem Forstweg daherkam.
Das Mädchen zeigte mit dem Finger ihren Eltern die vielen umherstehenden schön gewachsenen Tannen und Fichten. „Kind, du musst verstehen, dass wir uns dieses Jahr keinen Weihnachtsbaum kaufen können. Ich bin arbeitslos, wir müssen sparen und das Geld für einen Baum haben wir nicht. Aber sicherlich finden wir einige Tannenzweige, die wir dann schön schmücken werden“, hörte Fichti ganz im Unterbewusstsein den Vater zu seiner kleinen Tochter sagen.
Fichti bekam daher auch nicht so recht mit, dass das kleine Mädchen auf einmal vor ihr stehen blieb und rief: „Papi, guck mal, da liegt ein hübsches Weihnachtsbäumchen. Das nehmen wir mit Papi, es ist so schön. Bitte Papi.“
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Jetzt öffnete Fichti vorsichtig die Augen und sah in ein strahlendes Kindergesicht. „Na, ich weiß nicht so recht“, hörte sie den Vater antworten. „Doch Papi, bitte, es ist so ein schönes Weihnachtsbäumchen. Das habe ich mir gewünscht“, hörte Fichti die Kleine flehen. „Tu ihr doch bitte den Gefallen“, schaltete sich jetzt die Mutter ein und der Vater nickte schließlich zustimmend.
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Ungläubig merkte Fichti, wie man sie hochhob und betrachtete.
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„Wir nehmen das Bäumchen mit und werden es zum schönsten Weihnachtsbaum schmücken, den wir je hatten“, hörte Fichti den Vater sagen. Fichti, die kleine Rotfichte, konnte ihr Glück noch gar nicht fassen, als die Kleine jubelte: „Toll, jetzt haben wir das schönste Weihnachtsbäumchen!“
Und so kam es dann, dass Fichtis größter Wunsch in Erfüllung ging: Am Heilig Abend strahlte Fichti – mit roten Kerzen, Weihnachtskugeln und Engeln prächtig geschmückt – und war überglücklich über die ebenfalls strahlenden Gesichter um sie herum. Fichtis größter Traum, ein Weihnachtsbaum zu sein, hatte sich erfüllt.
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